Fiesta de Coroico
- danielhessbolivien
- 26. Okt. 2025
- 4 Min. Lesezeit

Hallo an alle,
ein anstrengendes Wochenende liegt hinter mir - beziehungsweise, es war nicht nur das Wochenende. Am 20.10., also Montag, wurde hier das Fest der Virgen de la Candelaria gefeiert, wie die Marienstatue der Kathedrale genannt wird.


Wie ich bereits in meinem letzten Solidaritätskreisbericht (https://danielhessbolivien.wixsite.com/mysite/berichte) geschrieben habe, haben wir uns neun Tage lang mit einer Novene auf dieses Fest vorbereitet. Jeweils um 6 Uhr morgens wurde ein Rosenkranz mit Marienlitanei gebetet, der von verschiedenen Gruppen gestaltet wurde. Anschließend wurde dann stets auch ein kleines Frühstück bereitgestellt. Abends, nach der Abendmesse, gab es dann eine - deutlich kürzere - Marienandacht. Genauso waren auch die Messformulare für jeden Tag speziell einem bestimmten Thema gewidmet, z. B. Maria Mutter der Armen, Maria Mutter der Kranken oder Maria Mutter der Kirche. Am Sonntag wurde dann auch noch das Jubiläum der Jugendlichen gefeiert - das hatte aber nichts mit der Fiesta de Coroico zu tun, sondern mit dem Heiligen Jahr, in dem wir uns befinden. Die Kirche war ganz schön voll! Am Sonntagabend fiel dann die Abendmesse aus, denn stattdessen gab es um Punkt Mitternacht eine Serenata: eine sehr gute Band hat in der abermals vollen Kirche Lieder zum besten gegeben, überwiegend Marienlieder natürlich.

Nach einer kurzen Nachtruhe kam dann am Montag der eigentliche Festgottesdienst mit anschließender Prozession durch die Stadt. Bei der Prozession war ich froh, dass es ein wenig Wind gab, denn ansonsten wäre es noch heißer geworden! Aufgrund der Temperaturen wurde dann eine Mittagspause eingelegt, bevor es mit der Entrada weitergehen sollte - letztendlich begann sie dann kurz nach 18 Uhr! Nacheinander kamen viele Tanzgruppen aus Coroico und der Umgebung, um zu Ehren der Gottesmutter auf dem Platz vor der Kirche ihre Tänze aufzuführen. Das dauerte insgesamt bis nach zwei Uhr nachts, aber ich muss gestehen, dass ich schon früher gegangen bin. Der Schlafmangel von neun Tagen in Folge um 5 Uhr aufstehen hat sich bemerkbar gemacht!

Am Dienstag war dann ein vergleichsweise ruhigerer Tag angesagt, denn nun wollten alle ausschlafen. Für mich war das freilich nicht möglich, denn wir benutzten den Vormittag, um die Kirche wieder herzurichten. Schließlich musste sie bereits sein für Mittwoch. Am Nachmittag unternahm ich dann mit meinem Kollegen Daniel unseren ersten Wanderausflug hier in Bolivien. Wir wollten auf den Chutokollo Uchumachi (2533 m), den Hausberg von Coroico hinaufsteigen. Allerdings sind wir zu spät losgelaufen und mussten schon etwas früher umkehren, denn um 18:30 Uhr wird es hier schon dunkel, da Bolivien näher am Äquator liegt als Deutschland.

Am Mittwoch gab es erneut am Vormittag eine Messe zu Ehren der Gottesmutter (leider relativ schlecht besucht, denn am Dienstag war auch den ganzen Tag lang gefeiert worden). Anschließend wurde die Marienstatue wieder an den Eingang der Kirche getragen, wo an diesem Tag die Segnung der Fahrzeuge anstand. Siebeneinhalb Stunden lang waren wir beschäftigt!


Normal wäre die Segnung der Fahrzeuge schon am Dienstag, den 21.10. angesetzt gewesen. Dieses Jahr aber wurde sie verschoben, weil es am Sonntag die Wahl des Präsidenten gegeben hatte - auch dieser Wahl waren die Feierlichkeiten am Dienstag geschuldet. Bolivien hatte schon im August ein neues Parlament gewählt. Bei dieser Wahl aber hatte sich noch nicht eine ausreichende Mehrheit für den Präsidenten ergeben, deshalb brauchte es einen zweiten Wahlgang mit Stichwahl der beiden besten Kandidaten. Am Sonntag wurde dann Rodrigo Paz mit gut 55 % der Stimmen zum neuen Präsidenten gewählt. Die bisherige Regierungspartei war bei dieser Stichwahl gar nicht mehr vertreten, da sie hauptsächlich aufgrund von parteiinternen Streitigkeiten katastrophal abgewählt worden war. So werden jetzt wohl einige politische Änderungen auf dem Plan stehen für das nächste Jahr.
Vermutlich wird auch die bisherige Inflation noch weiter ansteigen. Ein Beispiel: ein Liter Benzin kostet hier umgerechnet nur ca. 40 Cent. Die knapp drei Stunden lange Fahrt im Minibus von La Paz nach Coroico hat mich nicht ganz zwei Euro gekostet! Das ist nur dadurch möglich, dass die bisherige Regierung das Benzin stark subventioniert hat. Doch inzwischen ist die Staatskasse fast leer und es fehlen die Devisen. Insofern wird die neue Regierung viele Subventionen kürzen müssen und so steigen die Transportkosten und auch die Lebensmittelkosten. Auch wenn es für mich weiterhin sehr billig ist, die einheimische Bevölkerung hat teils bereits Probleme mit dem Geld, vor allem auf dem Land.
Die Virgen de la Candelaria hat ihr liturgisches Fest eigentlich am 2. Februar. Das Datum 20. Oktober geht auf ein Wunder dieser Marienstatue im Jahr 1811 zurück. Damals drohten Feindschaften zwischen Stadt- und Landbevölkerung zu eskalieren und die Landbevölkerung hatte sich versammelt und zog heran, um die Stadt anzugreifen. Doch als sie in die Nähe der Kirche mit der Marienstatue kamen, sahen sie dort eine Menge gut bewaffneter Soldaten stehen und sahen deshalb von einem Angriff ab. Es gab dort aber gar keine Soldaten! So bewahrte die Virgen de la Candelaria an diesem Tag die Bevölkerung vor einem Blutvergießen. Deshalb trägt die Marienstatue hier auch ein Schwert in der Hand. Seitdem berichten auch heute noch einige Leute von wundersamen Heilungen durch Maria - sei es ein ärztlich diagnostizierter Krebs, der über Nacht verschwand oder auch eine Frau, die ich persönlich getroffen habe, die eine Knieoperation brauchte, aber über Nacht geheilt wurde, nachdem sie einfach nur vor der Marienstatue gebetet hatte! Entsprechend wird Maria hier sehr verehrt, man schaue nur auf den Berg an Blumen, mit dem sie für das Fest geschmückt wurde (er wurde im Laufe dieser 13 Tage viermal erneuert!)

Soweit mal zur Fiesta de Coroico. Heute, am Samstag, ging es für mich gleich weiter mit der Arbeit: mit einer Taufe und vier Messen, davon eine mit dem Bischof zum Jubiläum der Kinder, war ich den ganzen Tag über gut beschäftigt. Der Sonntag und die nächste Woche werden hoffentlich etwas ruhiger, denn das kommende Wochenende wird wohl das stressigste Wochenende des ganzen Jahres: an den vier Tagen rund um das Fest Allerseelen sind bereits mehr als 50 Messen vorbestellt! Ich halte euch weiter auf dem Laufenden!





wirklich beeindruckende Bilder! Bolivien hat sicherlich einen blühenden Blumenmarkt!