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Kochkurs abgeschlossen!

In Bolivien befinden wir uns gerade nicht nur am Ende des Kalenderjahres 2025, in sämtlichen Bereichen geht ein weiteres Jahr zu Ende. So hat vor gut eineinhalb Wochen für die Kinder das Schuljahr geendet und auch die ganzen Geschäfte bereiten beenden sich darauf vor, nach Weihnachten etwas Ruhe zu haben und danach in ein neues Jahr zu starten. Freilich haben wir in der Kirche bereits mit dem ersten Adventssonntag ein neues Kirchenjahr begonnen. Doch auch für mich geht nun etwas zu Ende: mein Kochkurs.


Seit Ende Oktober habe ich nun fast zwei Monate lang zweimal wöchentlich diesen Kurs besucht, um mehr über das bolivianische Essen zu lernen. Glücklicherweise war es noch möglich, später einzusteigen, denn schon früher hatten die Teilnehmerinnen - meist war ich abgesehen vom Chef, unserem Lehrer, der einzige Mann - Gerichte mit Reis oder Kartoffeln als Hauptbestandteil gelernt. Trotzdem blieb für mich auch noch viel Gelegenheit zum Lernen: nachdem wir in meiner ersten Stunde mit verschiedenen Brotsorten angefangen haben (insgesamt elf verschiedene; wir würden aber eher von Semmeln sprechen, denn Brot in Form von einem Laib gibt es hier nicht), ging es weiter mit Süßgebäck und Torten, bevor schließlich das kam, was mich am meisten interessiert hatte: die Hauptgerichte. 24 verschiedene Gerichte haben wir zusammen gekocht und danach natürlich untereinander geteilt.


Neben den Praxisstunden gab es in der Zeit, in der ich teilgenommen habe, auch zwei Theorieeinheiten. In der ersten wurden alle möglichen Themen aus dem Bereich Ästhetik behandelt. Also einerseits die Gestaltung von Plakaten, andererseits die Präsentation von Gerichten. Am zweiten Tag ging es dann um das Thema künstliche Intelligenz und wie wir sie einsetzen können. An diesen Themen sieht man, dass der Kurs nicht nur dafür ausgelegt war, kochen zu lernen, sondern auch jungen Menschen zu helfen, sich ein kleines Geschäft aufzubauen. Daraus erklärt sich auch, warum außer mir fast nur Frauen am Kurs teilnahmen. Ihnen sollte ganz besonders mit diesem Kurs zu mehr Selbständigkeit verholfen werden. Der Kurs wird übrigens von einer Organisation namens Manq´a organisiert und von der Caritas Coroico finanziert, die das Geld wiederum aus Fördermitteln der EU erhält.


Für das Zertifikat am Ende des Kurses war natürlich auch ein kleines Examen nötig - oder auch ein großes gemessen am Zeitaufwand, wenn es auch nicht schwer zu bestehen war. Neben regelmäßiger Teilnahme wurden drei Dinge verlangt: zunächst einmal musste jeder von uns ein Gericht erfinden bzw. ein hier unbekanntes Gericht zubereiten und im Kurs präsentieren. Für mich persönlich also keine große Herausforderung. Hierbei ging es darum, Innovationen zu fördern, da es, wenn jemand von uns ein Restaurant oder ähnliches hat, förderlich ist, etwas Neues zu bieten. Danach mussten wir ein Rezeptebuch mit allen bisher zubereiteten Gerichten erstellen und einreichen. Das hat mich die meiste Zeit gekostet, zu 66 Rezepten meine Notizen nachzuvollziehen und teils aus dem Internet zu ergänzen. Zuletzt sind wir diesen Dienstag in die Nähe von Suapi, einer Comunidad ca. eineinhalb Stunden entfernt, zu der Niederlassung von jemandem gefahren, der früher auch von Manq´a gefördert worden ist und sich mit Kaffee und anderen Agrarprodukten ein eigenes Unternehmen aufgebaut hat. Dort servierten wir an ihn und 13 weitere Würdenträger von Manq´a und der Caritas ein dreigängiges, sehr exquisites Menü, das wir großteils am Tag davor vorbereitet hatten. Am Schluss davon wurde ich dann damit überrascht, dass uns jetzt schon die Zertifikate überreicht wurden.


Ich muss zugeben, das was ich in diesem Kurs am meisten gelernt habe, sind Vokabeln. In meiner ersten Stunde habe ich fast nichts von den Erklärungen des Chefs verstanden, doch ziemlich schnell habe ich mich an die verschiedenen Ausdrücke gewöhnt und so immer mehr mitgenommen. Trotzdem hatte ich bei den Erklärungen noch keine Vorstellung davon, wie das Gericht am Ende aussehen soll, was es mir erschwert hat, mir alles zu merken. Und der Nachteil davon, wenn man in drei Gruppen parallel verschiedene Rezepte zubereitet, ist natürlich, dass man nicht alles sieht; nicht einmal alles von der eigenen Gruppe.


Also: Übung macht den Meister! Ich werde weiterüben!


 
 
 

1 Kommentar


Annette Hess
Annette Hess
29. Dez. 2025

Das klingt wirklich spannend und es ist ja natürlich auch vollkommen klar, dass man sich das spezifische Kochvokabular erst aneignen muss. Aber das hast du sicherlich ganz schnell hinbekommen! 66 Rezepte, da muss man wirklich viel gelernt haben in der Zeit!

Ich finde es auch schön, dass man in Bolivien gefördert wird, sich eigentständig etwas aufzubauen. Ich hoffe auch, dass das bei möglichst vielen Teilnehmerinnen geklappt hat!

Gratulation!😀

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