Weihnachten und Neujahr
- danielhessbolivien
- 3. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Wie schnell die Zeit vergeht! Das gilt allgemein, ganz besonders aber auch in diesem Jahr für den Advent hier in Bolivien. Besonders die letzten zwei Wochen vor Weihnachten waren gut gefüllt mit Aktivitäten, bei denen vor allem drei Personengruppen im Vordergrund standen: die Katechisten, die alten Leute und die Kinder.

Die Katechisten, die jeweils in den Dörfern für das religiöse Leben zuständig sind, treffen sich hier generell einmal im Monat zu Gottesdienst, Anregungen durch die Padres und Mittagessen. Wenn normalerweise auch lange nicht alle anwesend sein können, so kommen doch die meisten zum letzten Treffen vor Weihnachten. Denn da bedanken sich die Padres neben dem üblichen Programm ganz besonders für ihre wertvolle Arbeit in den Gemeinden. Nach dem Mittagessen versammelten wir uns nochmal im Innenhof der Pfarrei und zusammen mit ein paar Dankesworten erhielt jeder der Katechisten eine Tasche mit dem Emblem des Heiligen Jahres, eine Lebensmitteltüte und einen Panetón.


Waren das schon nicht geringe Ausgaben, so wurde es doch um ein Vielfaches übertroffen von dem, was die Pfarrei am Tag darauf für die alten Leute veranstaltete: In der Turnhalle einer der Schulen feierten wir zuerst zusammen eine Messe und nachdem wir dann das Mittagessen serviert hatten, gab es ebenfalls für jeden Einzelnen eine Lebensmitteltüte und einen Panetón als Geschenk. Diesmal aber nicht ca. 70 Stück wie für die Katechisten, sondern mehr als 500! Den ganzen Nachmittag des Vortages hatte ich zusammen mit freiwilligen Helfern der Pfarrei ca. 700 Kartoffeln und ebensoviele Kamote (Art Süßkartoffel) geputzt, einen großen Berg an Zwiebeln und Paprika geschnitten und zahllose Bananen vorbereitet. Zum Glück mussten wir uns nicht auch noch um die mehr als 50 Hühner kümmern, denn die hatte bereits mein Kollege Daniel mit den anderen, die im Internat Cochuna arbeiten, zerlegt und zubereitet. Ein kleines Team von uns verbrachte dann die ganze Nacht damit, alles nacheinander in den Ofen zu schieben, während ich eine kurze Nachtruhe genoss, um um ca. 5:30 Uhr bereits zur Schule zu gehen, um die Stühle aufzubauen und die Geschenke herzutragen. An diesem Tag kamen insgesamt ca. 40 Helfer, um die Mahlzeiten zu servieren!



Für die Kinder haben wir ebenfalls viel Zeit investiert, aber zum Glück nicht alles an einem Tag wie für die alten Leute. Seit Montag der Woche vor Weihnachten trafen wir uns - hier halfen einige Jugendliche aus der Pfarrei - jeden Nachmittag für 2 Stunden, um die Weihnachtslieder zu proben und auch eine kleine Choreografie einzustudieren. Zweimal gingen wir auch mit den Kindern singend durch die Straßen, nachdem wir Einladungen von verschiedenen Institutionen bekommen hatten. Dort erhielten die Kinder danach jeweils etwas zu trinken und zu naschen (an den anderen Tagen übernahm das die Pfarrei). Normal gehen wir wohl auch noch öfter durch die Straßen, aber in diesem Jahr hatte es leider Probleme mit der Organisation gegeben. Aber auch so hatten die Kinder viel Spaß dabei. Der Höhepunkt war freilich, dass sie sich alle an Heiligabend und am Weihnachtstag als Hirten verkleideten und so mit ihren Liedern in die Kirche einzogen.


Zu Silvester und Neujahr war zum Glück nicht ganz so viel los, nur natürlich der Gottesdienst. Während wir an Weihnachten die Hermana Elena mit den drei Freiwilligen von Internat Cochuna in die Pfarrei zum Abendessen eingeladen hatten (zu dem auch der Bischof und weitere Gäste da waren), kam nun die Gegeneinladung. Vielleicht sollte ich dazusagen, dass beide Einladungen jeweils erst gegen Mittag desselben Tages spontan beschlossen worden waren. Trotzdem hat es keineswegs an Essen gemangelt. Während Picana, das traditionelle Essen zu Weihnachten normalerweise aus drei Sorten Fleisch - Rind, Schwein und Huhn - zusammen mit Zwiebeln, Mais, Kartoffeln und Karotten besteht, isst man zu Silvester normalerweise entweder Sajta oder vor allem Chicharrón: ein großer Berg an Schweinefleisch war in diesem Fall begleitet von Kartoffeln und Yuca. Oft tut man aber auch Kamote und Mais dazu.

Ähnlich wie auch in Deutschland wurde in Bolivien mit viel Feuerwerk das neue Jahr gefeiert. Wobei relativ wenig große Feuerwerkskörper verwendet werden, sondern vor allem kleine Böller. Dazu dann auch viel laute Musik auf dem Stadtplatz, wo sich die meisten versammelt hatten zum Feiern. Das hielt dann auch für die nächsten zwei Tage an (zumindest ab Mittag, nachdem die meisten wieder aufgestanden waren), denn hier in Bolivien ist auch der 2. Januar ein Feiertag.

Soweit mal zu den vergangenen Feiertagen. Für den Blog des Priesterseminars habe ich übrigens auch ein Weihnachtslied von Bolivien als Video aufgenommen: https://www.priesterseminar-muenchen.de/2025/hier-ein-musikalischer-weihnachtsgruss-von-daniel-hess-aus-seinem-freijahr-in-bolivien/
Möge der Frieden von Weihnachten eure Herzen erfüllen! Gottes reichen Segen für das Jahr 2026 wünsche ich euch allen!





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