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Karneval in Bolivien

Auch wenn inzwischen die Fastenzeit, die "staade Zeit", begonnen hat, so kommen doch hier noch einige Eindrücke vom bolivianischen Karneval - sehr verschieden zu dem in Deutschland und keineswegs "still".


Den Samstag verbrachten mein Kollege Daniel und ich in Oruro, einer Stadt in der bolivianischen Hochebene, auf ca. 3800 Meter Höhe. Dort findet nach Rio de Janeiro der zweitgrößte Karneval Südamerikas statt. Ungefähr um 8 Uhr morgens dürfte die erste Tanzgruppe gestartet sein und dann ging das ganze bis ca. 5 Uhr am nächsten Tag! Wir sind freilich nicht so lang geblieben. Da die Unterkünfte während des Karnevals extrem teuer sind, sind wir über Nacht im Nachtbus aus Cochabamba angereist und am Abend wieder im Nachtbus nach La Paz weitergefahren.


Karneval in Südamerika ist immer mit Tänzen verbunden. In einer sogenannten Entrada ziehen die Tanzgruppen nacheinander auf einer festgelegten Strecke durch die Stadt und führen dabei ihre traditionellen Tänze auf. In Bolivien sind die Leute besonders stolz auf die Vielfalt ihrer Tänze. 18 verschiedene Stile waren in Oruro vertreten! Der meistvertretene Tanz war der traditionelle Tanz Oruros, die Diablada, welche den Kampf des Erzengels Michael gegen den Teufel inszeniert.

Diablada
Diablada
Morenada
Morenada
Llamerada
Llamerada
Caporales
Caporales

Auch wenn ich schon öfters ähnliche Entradas gesehen habe, so war Oruro doch nochmal besonders. Da es der zweitgrößte Karneval Südamerikas ist, waren entsprechend auch die Gruppen besonders groß. Man denke sich: die Gruppen waren jeweils von einem Schlag- und Blasorchester begleitet, die meist leicht über 100 Leute hatten! Und die Tänzer selbst waren natürlich noch viel mehr! Dazu aufwändige Kostüme, die teils in Bolivien ein kleines Vermögen kosten!

Anders als in anderen Städten ist der Karneval in Oruro auch eine religiöse Veranstaltung zu Ehren der Virgen de Socavón, der Patronin Oruros. So gab es zuerst um 6 Uhr früh eine Messe mit dem Bischof und danach zogen wir die ganze Strecke der Entrada in einer Prozession entlang bis zur Basílica Menor, wo das Gnadenbild steht.

So viel zu Oruro. Aber der Karneval wurde natürlich noch bis Dienstag gefeiert, auch in La Paz. Dort gab es am Montag ebenfalls eine Entrada, aber sehr viel kleiner als in Oruro. Ansonsten waren hier die Leute nicht nur Zuschauer bei den Tänzen, sondern haben viel auf der Straße gefeiert. Das ist in Bolivien weniger mit Kostümen verbunden, sondern mit unzähligen Schaumdosen und Wasserbomben, mit denen sich alle gegenseitig bespritzen. Das war, ehrlich gesagt, weniger mein Fall. Aber es war trotzdem amüsant, besonders den Kindern zuzusehen, die mit vollem Eifer dabei sind.

Tinku (Entrada in La Paz)
Tinku (Entrada in La Paz)

 
 
 

1 Kommentar


Annette Hess
Annette Hess
22. Feb.

Das hört sich so an, als könnten die Bolivianer sehr viel und vor allem auch sehr lange feiern!😅 Das war sicherlich ein anstrengender Tag, als ihr mit Bus hin und zurückgefahren seid. Jedoch hat es sich - schon allein den Bildern nach zu schließen - sehr gelohnt!

Da doch viele Menschen in Bolvien recht arm sind, ist es umso erstaunlicher, aber auch bewunderswert, dass sie sich so viel Mühe mit Tänzen, Musik und aufwendigen Kostümen machen. Ich habe den Eindruck, dass die Einwohner trotz Armut, politischen Unruhen und allem anderen ihre Tradition, ihre Werte, sehr pflegen und in Ehre halten. Das finde ich ansprechend und vorbildhaft.🙂

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